Gesundheit
sollte eigentlich kein heikles Thema sein - nun, erörtern wir hier zunächst einmal die allgemeinen Aspekte: eine artgerechte Haltung mit entsprechender Ernährung und regelmäßiger Pflege sind sicherlich die besten Voraussetzungen zur Erhaltung der Gesundheit. Hunde haben einen wesentlich schneller ablaufenden Stoffwechsel als Menschen was sich u.a. darin äußert, daß der Hund rascher und öfter atmet, sein Herz schlägt schneller und öfter und auch die Körpertemperatur des gesunden Hundes liegt mit 38,5°C höher als beim Menschen. Wichtig sind regelmäßiger jährlicher Impfschutz gegen die bekanntesten Infektionskrankheiten sowie Entwurmung. Hierbei wird Ihnen der Tierarzt helfen; die Impftermine und Nachimpf-Termine werden im Impfpaß eingetragen, Präparate zur Entwurmung (Paste oder Tabletten) erhalten Sie ebenfalls beim Tierarzt (Dosierung gewichtsabhängig) und sollte sich Ihr vierbeiniger Liebling trotz aller Pflege mal einen Floh eingefangen haben -und das kann dem gepflegtesten Hund passieren-, dann gibt es auch dagegen ein Kraut - Spray - Salbe - Tabletten etc. Die Ohren sind - auch bei regelmäßiger Reinigung (1 x wöchentlich) - zu beobachten, vermehrtes Schütteln des Kopfes und Kratzen am Ohr könnte auf eine Entzündung hindeuten; gute entzündungshemmende Salben wird Ihnen der Tierarzt verschreiben - vorherige Ohrenkontrolle mittels Otoskop (spez. Gerät zum Einsehen des Gehörganges bis zum Innenohr) verschafft Klarheit. Die Augen werden, wenn es mal zu einer Bindehautreizung oder -entzündung gekommen ist, mit Augentropfen oder einer Augensalbe - Tierarzt - behandelt. Bitte nicht mit obskuren Hausmittelchen herumdoktern.
Generell gilt: Lieber einmal zu viel zum Tierarzt als
ein
"entscheidendes" Mal zu wenig !
Erste Hilfe - fällt uns meist schon beim Menschen schwer; wir haben das zwar alle irgendwann einmal gelernt und sind alle sehr froh, wenn wir es nie anwenden müssen/mußten. In den meisten Städten gibt es Tierkliniken, die teilweise rund um die Uhr Dienst tun, wenn mal schnelle Hilfe vonnöten ist. Dennoch wollen wir hier, so gut wir können, einige Ratschläge geben:
Hautverletzungen (kleinere Schürfungen etc.) können Sie selbst mit Wundgel oder Wundspray behandeln. Wunde beobachten, sollte diese eitern, müssen Sie sich vom Tierarzt eine antibiotikahaltige Salbe geben lassen. Alle tiefen offenen Wunden mit Durchtrennung der Haut und ggf. Risiko der Verletzung von Sehnen, Nerven etc. bedürfen alsbaldiger tierärztlicher Versorgung und müssen auch teilweise genäht werden (Riß- und tiefe Bißverletzungen etc.). Wundstarrkrampf ist beim Hund recht selten. Leider hatten wir unter den Hunden von Freunden einen Fall, wo ein noch recht junges Tier an Wundstarrkrampf starb. Dennoch - Impfungen dagegen sind nicht üblich.
Verletzungen von Blutgefäßen (Symptome sind starke anhaltende Blutung, spritzende Blutungen, häufiger intensivroter Strahl etc.) erfordern als erste Notmaßnahme einen Druckverband; dieser wird angelegt wie beim Menschen auch, also den Blutstrom oberhalb der Wunde abbinden und dann sofort zum Tierarzt.
Bei Unfällen ist das Risiko von inneren Verletzungen und/oder Gehirnerschütterung und schlimmer Schädelbasisbruch gegeben. Vorsichtig das Tier in Seitenlage bringen, Kopf tieflagern, Zunge herausnehmen (sonst besteht die Gefahr des Erstickens) und auf eine Decke legen, die dann von 2 Personen als Transportbahre genutzt werden kann. Unbedingt sofort Tierarzt verständigen bzw. Tierarzt/Tierklinik aufsuchen.
Lahmheiten können vielerlei Ursachen - oft harmloserer Art - haben. Meist hat der Hund entweder einen Fremdkörper in der Pfote (Dorn, Splitter etc.) oder er hat sich vertreten, versprungen, verstaucht. Dennoch darf man Lahmheiten, gerade bei den großen Rassen und vor allem während der Wachstumsphase nicht auf die leichte Schulter nehmen. Wenn Sie keine äußere Einwirkung, keinen Fremdkörper in der Pfote, Zehenballen, Zehenzwischenräumen feststellen können, suchen Sie vorsichtshalber den Tierarzt auf, der dann klären kann, ob eine Distorsion oder Prellung, Verrenkung oder gar ein Bruch vorliegt. Denken Sie daran: ein Hund dieser Größe und dieses Gewichts ist auf vier gesunde Gliedmaßen angewiesen. Und leider muß an dieser Stelle erwähnt werden, daß auch Wachstumsstörungen, Knochenhautentzündungen usw. bei Groß- und Riesenrassen häufiger beobachtet werden.
Vergiftungen sind meist unglückliche Zufälle. Den Hund auf dem Spaziergang gut kontrollieren, manche Hunde neigen dazu, alles zu fressen, zu belecken, was so rumliegt, andere wiederum sind daran nicht so interessiert. Vielfach sind in Parks und Grünanlagen Köder mit Rattengift ausgelegt - Vorsicht, Gefahr innerer Blutungen -; die hochgiftige Wirkung von Schädlingsbekämpfungsmitteln ist allseits bekannt. Sofort zum Tierarzt, der mittels Injektionen ein Erbrechen - schnellste Methode, um Gift aus dem Körper zu bekommen - auslösen kann. Nicht mit Hausmittelchen selbst herumexperimentieren. Bei Vergiftungen ist Eile geboten, da die aufgenommenen Gifte unterschiedlich schnell in den Blutkreislauf gelangen und hier nur der Fachmann = Tierarzt um die genaue Therapie weiß.
Ansonsten gibt es noch Durchfälle, Verstopfungen, Erbrechen, und das muß nicht immer sofort auf eine Erkrankung hindeuten, oft hat der Hund etwas gefressen oder zuviel gefressen, was eine abführende Wirkung oder Verstopfung zur Folge hat. Wenn sonst keine krankhaften Symptome, z.B. Fieber, Husten, Blut in Kot oder Urin, übermäßiges Speicheln etc. auftreten, können schon 1 - 2 Fastentage oder kleine Mengen Diätfutter helfen. Achtung: niemals Flüssigkeit entziehen, dem Hund muß immer frisches klares Wasser zum Trinken zur Verfügung stehen.
Obgleich "kleinere Wehwehchen" sicherlich selbst behandelt werden können, möchte ich Ihnen doch unbedingt raten, zumindest den telefonischen Rat des Tierarztes - mit möglichst genauer Schilderung der Symptomatik - einzuholen - und im Zweifelsfalle suchen Sie lieber den Tierarzt auf, denn Diagnostik ist sogar für den Fachmann nicht immer einfach und wenn der Tierarztbesuch dann nicht notwendig war, können Sie wenigstens beruhigt mit Ihrem Vierbeiner nach Hause gehen. Das ist auf jeden Fall besser, als eine Krankheit zu verschleppen und wegen zu später Behandlung einen chronischen Verlauf derselben in Kauf nehmen zu müssen oder gar ein Tier einschläfern lassen zu müssen, weil eine Behandlung aufgrund zeitlicher Verzögerung nicht mehr möglich ist.
An dieser Stelle erlaube ich mir den generellen Hinweis, daß bei Riesenrassen aufgrund des enormen Wachstumsschubes im ersten Lebensjahr sowie aufgrund der Endgröße und des Gewichtes ein etwas höheres Risiko für Skeletterkrankungen und Wachstumsstörungen vorliegt, als dies bei einer mittelgroßen Rasse der Fall sein dürfte.
Vom Züchter können Sie zwar erwarten, daß er Verpaarungen "nach
bestem Wissen und Gewissen" vornimmt - aber Garantien kann Ihnen niemand
geben - und wer es wagt, Ihnen zu "garantieren, daß ....." - nun, der
muß über hellseherische Fähigkeiten verfügen (oder er ist
vielleicht nicht
ganz seriös, nicht ernstzunehmen).
Ich füge an dieser Stelle einige Tabellen aus dem Buch "Genetik in der Hundezucht" ein, die einen guten Überblick über rassespezifische Dispositionen für bestimmte Erkrankungen geben.
Tabellen 14 -17 auszugsweise
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Nach Tab. 14 - Schäden an Herz-, Blut und Kreislaufsystem - |
Vorkommen bei |
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Sub-aortic stenosis Verengung der großen
Körperschlagader Erblichkeit ? |
Neufundländer |
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Nach Tab. 15 - Defekte orthopäd. Natur - |
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| Coronoid process Ellenbogen Polygenet. |
Berner Sennenhund |
| FCP hoch erbl. |
Neufundländer, Bernhardiner, Rottweiler |
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OCD Knorpelmißbildung Polygenet.hoch erbl. - Zusammenhang mit Ernährung ! |
Große, schnellwachs.. Rassen, Bernhardiner, |
| Panosteitis Wechsel i.d. Dichte langer
Knochen,unklar erbl. Lahmheit ab ca. 4. Lebensmonat |
DSH, Pyrenäen Mount.Dog, Rottweiler |
| Cruciate ligam. Kreuzbandriß unklar erbl. |
Neufundländer,
Berner Sennenhund, |
| Nach Tab. 17 - verschiedene Defekte - | |
| Rückenmarksdegeneration unklar erbl. - Auftreten relativ selten - |
Berner Sennenhund, Tibet Mastiff, Rottweiler |
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Lymphosarcoma Bösart. Tumor - Lymphsystem - unklar erbl. - Vorkommen häufiger - |
Berner Sennenhund, Dogge, Bullmastiff |
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Osteosarcoma Bösart. Knochenkrebs,
bes. i.d. langen Knochen - unklar erblich - Vorkommen häufiger |
Bernhardiner, Berner Sennenhunden |